Der deutsche Graf Berthold John von Imhoff malte die Kirchen Saskatchewans.
Fast jeder Kanadier kennt die Geschichte der Erstbesiedlung Kanadas an den Ufern des St. Laurenz Flusses;da gab es die Adeligen und die Pächter, ein System, hervorgegangen aus den Feudaldenken der Franzosen und aus den Anfängen von Neufrankreich kaum wegzudenken. Doch die Grundherren Neufrankreichs waren nicht die einzigen Nobelmänner Europas, die im Westen ihr Glück versuchten. Adelige kamen aus den unterschiedlichsten Gründen nach Kanada; aus Geldnot, aus Abenteuerlust und um den Kriegsdienst zu entfliehen. Graf Berthold Johann von Imhoff kam nach Saskatchewan weil er die Natur liebte.
Vor 140 Jahren wurde er in in einem Schloss über den Rhein geboren. Schon als Siebenjähriger malte er Landschaften. Die Eltern schickten in auf die Kunstschule wo er durch seine Begabung auffiel. Im Alter von 16 Jahren gewann er mit einem Portrait von Prinz Friederich Willhelm den begehrenswerten Preis der Kunstakademie von Berlin. Er interessierte sich immer mehr für religiöse Kunst, schaffte sich einen Namen mit der Malerei auf öffentlichen Gebäuden und wurde nach Ohio und Pennsylvanien gerufen, wo ein Jahr lang arbeitete. Nach Hause zurückgekehrt stellte er fest, dass die industrielle Revolution Deutschlands Landschaftsbild drastisch verändert hatte. Die pastorale Stille, das Fundament seiner Kreativität schien dem idealistischen Aristokraten für immer verloren. Kurz entschlossen wanderte er mit seiner Familie nach Reading, Pennsylvania aus wo er im Laufe der Jahre Gemälde für mehr als einhundert Kirchen und Privathäuser malte. Bekannt als Perfektionist reiste er immer wieder nach Europa um seine Technik zu verbessern. Als die Regierung Saskatchewans im Jahre 1913 Einwanderer suchte entschloss er sich zu emmigrieren, denn neben seiner Liebe zur Malerei war er ein ausgezeichneter Jäger der bereits in den Staaten viele Preise erhalten hatte- Saskatchwans Weiten boten ihm wonach ersuchte.
Imhoff war nicht nur ein talentierter, technisch ausgereifter Maler er war auch für seine Selbstlosigkeit und Hingabe bekannt, mit der er sich der Ausschmückung der Kirchen widmete. Im Jahre 1918 malte er achzig lebensgrosse Figuren in der St.Peter’s Kathedrale in Münster, Saskatchewan, und lehnte die Bezahlung dafür ab. Zwischen 1920 und 30 malte er Decken und Altarbilder in den Kirchen Saskatchewans und als diese während der Depression in den 30 Jahren kein Geld für weitere Gemälde aufbringen konnten, da die Bauern durch die Dürre selbst hungerten, malte Imhoff ohne Bezahlung fleissig weiter. Als er m Jahre 1939 starb war der Großteil seines Vermögens verbraucht. Von Papst Pius XI bekam er für seine selbstlosen Arbeiten den Ritterorden des hl.Georg’s des Großen überreicht.
Viele seiner Werke können in St. Walisburg, Münster, St.Benedict, Bruno, Denil, Humboldt und vielen anderen Kirchen bewundert werden. Sein restauriertes Studio in St.Walisburg enthält zweihundert Gemälde und ist seit 1988 ein Museum, welches vom Mai bis Ende September besichtigt werden kann. Für ein Entgeld kann man auch eine Führung buchen. Tel.: (306) 248 3812. Seit 1998 steht beim Ortsbeginn von St. Walisburg eine Statue von Graf Berthold John von Imhoff, hoch zu Ross, die die Bürger des Ortes ihrem großen Landsmann gewidmet haben.
Eva Wazda